Monsters Of Liedermaching

Monsters Of Liedermaching – Schnaps & Kekse

Sechs ziemlich unterschiedliche Songschreiber und Sänger und Bühnenaktivisten und Typen – und die auch noch alle in einer Band. Geht das? Vor allem: Wie geht das? „Das Ego wird gefüttert bei uns – aber auch mal ein bisschen zertreten“, bringt Totte es auf den Punkt. Und Fred ergänzt, es gehe „nur mit viel Rücksicht und Toleranz und na-lass-ihn-mal – ich hab ja auch meine Macke.“ Ego hin, Macke her: Es geht also. Und zwar so gut, dass Burger, Fred, Labörnski, Pensen, Rüdi und Totte als Monsters Of Liedermaching (MOL) nun schon ihr fünftes Album unter die Mitmenschen bringen können. Ganz ohne Hype-Maschine und Medien-Mache und Casting-Torturen.

Deshalb wurde „Schnaps & Kekse“ wie schon seine vier Vorgänger live vor treuem und immer noch wachsendem Publikum aufgenommen – ohne Netz, aber manchmal ganz schön doppelbödig. 16 neue Lieder bzw. noch nicht von den Monsters gespielte (und zwei Ansagen), die es wieder mal in sich haben. Die oft verdammt komisch sind. Aber deshalb nicht gleich Comedy. Die auch mal traurig sind. Aber deshalb nicht gleich nur sentimental. Die schon mal skurril sind. Aber deshalb nicht gleich nur ein Fall für Außenseiter. Die manchmal richtig derbe sind. Aber deshalb nicht gleich unterste Schublade. Obwohl…

Wann, wo, wie das losging? Na, natürlich im ganz, ganz heißen Sommer 2003. Auf’m Rathausmarkt in Hamburg. Fred sollte da im „Rockspektakel“-Rahmen spielen und dachte sich: Mensch, gibt bestimmt mehr Spektakel (und mehr Spaß), wenn mehr von uns da oben sind. Man kannte sich halt. Weil die eine ex-Band (von Burger) mal einen Song der anderen ex- Band (von Fred) gecovert hatte. Auch aus gemeinsamen Duos und gemeinsam durchstandenen Konzert-Katastrophen vor Menschen, die dann doch nur kurz Zeit hatten (weil das Essen wartete). Und weil sich irgendwann doch fast alle bei den Liedermacher-Festivals dieser Republik über den Weg liefen. „Die Kollegen“, erinnert sich Totte, „sollten’s ja schon immer geil finden – auch wenn’s noch garkeine Band gab. Und deshalb funktioniert das auch nur mit gleich sechs Frontleuten – weil sie hier Kompromisse machen, die sie sonst nicht machen würden.“

Aber nochmal zurück nach Hamburg. Wo es super lief. Trotz Jahrhunderthitze. Trotz Null-Probe. Vor allem war da dieses starke Gefühl aufgekommen, „fast wie inner Band zu spielen“, und das verlangte dann einfach nach mehr. Und weil diese teils schon gut gereiften, doch im Herzen immer jungen Männer sensibel sind für innere Belange, bekam es auch mehr. Die erste gemeinsame Probeklausur (bei Burger in Bad Gandersheim). Die erste gemeinsame Tour. Das erste gemeinsame Album. Vor allem bekam dieses Gefühl jede Menge neue Lieder. Und jede Menge Menschen, die diese Lieder und das, was die Monsters mit ihnen und mit sich und dem Mädchen aus der 1. Reihe und dem Zwischenrufer aus der 11. so anstellen, zu lieben begannen.

Und weil diese Liebe wuchs und wuchs und wuchs, sind die längst auch Rockfestival-erprobten MOL in diesem Frühjahr echt grad schon zum 20. Mal durch deutsche Clubs zwischen Konstanz und Hamburg, Leipzig und Aachen gezogen. Es war mit 19 Konzerten ihre bisher längste Tour am Stück. Und auch die bisher luxuriöseste. Zuvor hatten sie sich im schwarzen „Sprinter“ zum nächsten Auftritt gekämpft, der längst so legendär war, dass er Polizeikontrollen irgendwie magisch anzog. Diesmal stand stets der Nightliner abfahrbereit. „Traumhaft“, schwärmt Fred immer noch. „Du fällst halt ins Bett – und wachst quasi im nächsten Club wieder auf.“ Und zwischendurch wurden vermutlich noch Schnaps und Kekse gereicht…

So heißt jedenfalls das neue Album, welches die MOL bei der Gelegenheit aufgenommen haben. Nicht weil sie es nicht anders könnten. Sondern weil sie es nicht anders wollen. „Was soll ich im Studio mit Click-Track im Ohr?“, fragt Fred. „Wir machen halt nur Live-Alben, gemeinsam mit unserem Publikum. Das war die erste Idee und die erste Entscheidung.“ Ohne die Leute „klingt das halt doch steril“, ergänzt Totte. Da nehmen sie eine mal eben verstimmte E-Saite im Eifer des Gefechts doch gern in Kauf. „Wir sind einfach ne Konzertband, die dieses Konzertgefühl dokumentieren will.“

Was dem Sextett auf „Schnaps & Kekse“ auch deshalb wieder so gut und dabei noch mal ein bisschen neu gelingt, weil „die Reize noch dichter“ geworden sind, wie der Liedermaching-Pionier Götz Widmann (Joint Venture) die Entwicklung der MOL mal beschrieb. Ein Lied wie „Dauertrauer“ kann exemplarisch dafür stehen. Es ist lustig, abseitig und gefühlvoll zugleich – und führt en passant noch den Beweis, dass diese Sechs nicht nur hintereinander, sondern auch miteinander ziemlich dufte singen können. Doch auch darüberhinaus gibt’s hier immer noch verdammt viel zu hören, was man anderweitig – Liedermacher hin oder her – sonst nicht zu hören bekommt. Mitsing-Gassenhauer wie „Laterne“, die junge Eltern immer noch in sich hineinschmunzeln lassen werden, wenn sie nächsten Herbst wieder die Lichtlein ihrer Kleinen entzünden. Oder herrlich beschwingte Zungenbrecher wie „Timing“.

Die MOL lüften das ewige Rätsel tiefer Zuneigung („Ich hab dich lieb“), vermessen die Jahre mal ein bisschen anders („Lebensmüde“) und auch die Physiognomie („Französische Kleinstadt“). Sie kennen die Schamgefühle, die aus moderner Kommunikation erwachsen können („Das Sims“) und auch die Angst vorm Postmann („Der kleine Brief“). Voll aus’m Alltag gleich nebenan gefischte Beziehungsschoten („Meine Freundin hat ‘nen ander’n“, „Julia“) haben hier ebenso ein Zuhause wie Punk ohne Bierernst und Pogo als Hörspiel („Sie heißt „Hey“ / „Alsterstaat“). Nicht zu vergessen: diese wirklich atemberaubenden Abnehmvorschläge in „Salamandervorhautdiät“, die nebenbei noch tiefe Einblicke in die Kleintierwelt offenbaren. Wie sagt Fred? „Genau genommen is es eigentlich krank.“ Aber wer nimmt’s schon gern genau? Vor allem, wenn da noch ein richtig nettes „Reste trinken“ ansteht – eine wunderbar melancholische Alk-Odysee als ultimative Schlussnummer.

Sechs ziemlich unterschiedliche Songschreiber und Sänger und Bühnenaktivisten und Typen – könnten die in einer Band mit „Schnaps & Keks“ womöglich sogar in den Charts landen? Geht da was? Sagen wir mal so: Bei diesen Monsters Of Liedermaching sollte einen wirklich gar nix mehr wundern… (www.monstersofliedermaching.de)

Monsters Of Liedermaching LIVE in der Region: 09.11. C-Club Berlin

Titelliste:
01. Laterne (3:01)
02. Meine Freundin Hat Nen Andern (2:11)
03. Timing (2:13)
04. Julia (2:40)
05. Innerlich Verkeimt (3:21)
06. Die Ballade Vom Heissluftballon (2:38)
08. Ich Hab Dich Lieb (3:46)
10. Sie Heisst „Hey“ (3:40)
11. Alsterstaat (1:45)
12. Der Ruderer (3:24)
14. Der Kleine Brief (1:35)
15. Einlegelaus (1:30)
16. Dauertrauer (3:06)
17. Das Sims (2:59)
18. Reisetrinken (4:44)
19. Bonus (0:26)

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