Aufgeräumt ins neue Jahr

Endlich überflüssigen Ballast abwerfen. So richtig aufräumen
und sich von allem trennen, was nicht mehr benötigt wird oder
was einem nicht mehr guttut – diesen Vorsatz fassen zum Jah-
resanfang viele von uns. Aber welche positiven Effekte hat das
Aufräumen auf die Gesundheit und wie räumt man eigentlich
„richtig“ auf?

Aufräumen ist für viele Menschen eine Herausforderung, da das
Chaos manchmal unüberwindlich scheint. Doch es kann sich
lohnen, die unliebsame Aufgabe gründlich anzugehen. Erfolg‑
reiche Aufräumaktionen, bei denen einige Prinzipien wie Acht‑
samkeit und Dankbarkeit berücksichtig werden, können das
Wohlbefinden steigern und schlechter Stimmung, Erschöpfung
sowie Stress entgegenwirken.

Ordnung als Trend
Dass Aufräumen das Potenzial hat, zur Lifestyle‑Aktivität zu
werden, zeigt der aktuelle Trend rund um die selbsternannte
japanische Ordnungs‑Expertin Marie Kondo. Ihr Konzept des Ord‑
nens sieht ein systematisches Vorgehen vor, bei dem nicht ein
Raum nach dem anderen aufgeräumt wird, sondern die eigenen
Habseligkeiten in fünf Kategorien eingeteilt und nacheinander
bearbeitet werden: Nach Kleidung werden Bücher, Papiere und
Unterlagen, Kleinigkeiten und letztendlich Erinnerungsstücke
aussortiert und aufgeräumt.

Rituale erleichtern das Sortieren
Ob einem das Ordnen nach Kategorien liegt oder nicht, ist sicher‑
lich Typsache. Für das Wohlbefinden entscheidender sind beim
Aufräumen jedoch zwei Rituale, die auch in Marie Kondos Methode
Anwendung finden. Zum einen geht es um die Frage nach dem
emotionalen Wert des Gegenstandes. Dieser Wert soll als Ent‑
scheidungsgrundlage dienen, indem jedes Objekt dahingehend
geordnet wird, ob es eine positive Emotion wie Glück auslöst
oder nicht. Glücklich Machendes wird behalten, der Rest wird
aussortiert. Dieses achtsame Auswählen ist zwar zeitintensiv,
jedoch kann der eigentlich unangenehmen und herausfordernden
Aufgabe dadurch auch etwas Positives abgewonnen werden,
beispielsweise die Erinnerung an ein schönes Erlebnis. Das Kulti‑
vieren solch positiver Emotionen hat das Potenzial zur Steige‑
rung des Wohlbefindens.
Zum anderen stellt das bewusste Bedanken bei nicht mehr
Gebrauchtem einen zentralen Mechanismus in der Marie‑Kondo‑
Methode dar. Der Gegenstand wird aktiv in Verknüpfung mit dem
angenehmen Gefühl der Dankbarkeit entsorgt und dadurch nicht
achtlos weggeworfen. Was sich banal anhören mag, ist nach‑
gewiesen wirksam: das bewusste Empfinden und Üben von
Dankbarkeit geht mit besserer Stimmung, weniger Erschöp‑
fungsgefühl und erholsamerem Schlaf einher.

Entspannung durch Achtsamkeit
Das bewusste Ein‑ und Wegräumen der verbleibenden Dinge
kann direkt zur Achtsamkeitsübung werden. Achtsamkeit ist ein
Aufmerksamkeitszustand, bei dem der eigene Fokus auf dem
Hier und Jetzt liegt. Der Augenblick wird rundum wahrgenommen,
ohne ihn als gut oder schlecht zu bewerten. Mit achtsamkeits‑
basierten Übungen lässt sich Stress merklich reduzieren iv und die
Stimmung verbessern v . Wer sich beim Falten der Kleidung be‑
wusst macht, wie sich diese anfühlt oder beim Einräumen der
Bücher den Geruch des Papiers wahrnimmt, übt sich bereits in
Achtsamkeit. Selbst das Ordnen von Kleidung, beispielsweise
nach Farbe oder Jahreszeit, kann meditativ entspannen.

Kreatives Chaos?
Über den Entspannungseffekt des Sortierens hinaus hat ein auf‑
geräumtes und ordentliches Umfeld noch weitere vorteilhafte
Wirkungen. So werden beispielsweise ordentliche Wohnungen
von ihren Bewohnern als erholsamer wahrgenommen als unauf‑
geräumte Wohnungen. Dies geht wiederum mit einem niedrige‑
ren Niveau des Stresshormons Cortisol einher. Zudem lässt es
sich an Schreibtischen, auf denen möglichst wenig steht, konzen‑
trierter arbeiten. Unser Gehirn kann seine Kapazität nämlich bes‑
ser auf die tatsächlich zu bewältigende Aufgabe richten, wenn es
nicht durch zu viele herumliegende Objekte „beschäftigt“ ist.
Kreatives Chaos gibt es also nur in den seltensten Fällen.

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